|
Giordano Bruno wurde unter dem Namen Filippo in Nola bei Neapel geboren. Von seinem Heimatort ist seine spätere Selbstbezeichnung "der Nolaner" abgeleitet. Sein Vater war Giovanni Bruno, ein Soldat, seine Mutter Fraulissa (Flaulisa???) Savolino.
Bruno studiert zunächst in Neapel und tritt 1565 in den Dominikanerorden ein.
Dort nimmt er den Namen Giordano an. Bald darauf gerät er in Konflikt mit der
Ordensleitung, weil er sich der Marienverehrung verweigert. Aber das ganze
bleibt dann doch zunächst einmal folgenlos, 1572 empfängt er die Priesterweihe.
1576 gerät er zu dem ersten Mal unter Ketzereiverdacht und muss Neapel verlassen.
Er flieht nach Rom, legt das Ordensgewand ab, muss nach einer (falschen) Mordanklage aber erneut fliehen. Brunos Leben wird zu einer Wanderschaft mit Stationen in halb Europa.
Die wieder entdeckten Ideen von Plato und Hermes Trismegistos
übten große Anziehung auf ihn aus. Zu dieser Zeit wurde das geozentrische Weltbild durch Kopernikus angegriffen. Aufbauend auf diesen Grundlagen entwickelte Bruno in dem Laufe der folgenden Jahre seine eigene Philosophie.
Über Chambery geht er zunächst nach Genf. Er tritt der calvinistischen
Kirche bei, aber Calvin kann mit den kopernikanischen Thesen, denen Bruno anhängt, gar nichts anfangen. Bruno wird verhaftet und von den Calvinisten exkommuniziert. Er widerruft und kommt frei.
Er gelangt 1579 nach Toulouse, hat dort kurz einen Lehrstuhl
inne. Zu dieser Zeit beginnt sein phänomenales Gedächtnis Furore zu machen.
Bruno arbeitet mit einem speziellen Merksystem. Aber die Erklärung, dass er
magische Fähigkeiten habe, scheint manchen Zeitgenossen dann doch einleuchtender.
Die Hugenottenkriege treiben ihn dann zwei Jahre später nach Paris weiter.
Dort bleibt er bis 1583, wird von Heinrich III. gefördert.
Mit Empfehlungsschreiben von diesem geht er 1583 nach England, versucht zunächst in Oxford zu lehren, scheint aber überall anzuecken und erhält keinen Lehrstuhl. Bis Mitte 1585 lebt er dann in dem Haus des französischen
Botschafters in London. Dort veröffentlicht er seine "italienischen Dialoge", darunter Cena de le Ceneri (Das Aschermittwochsmahl) (1584), im er schonungslose Polemik gegen den Oxforder Gelehrtenstand übt und das Londoner Geistesleben heftig karikiert, sowie De l'Infinito, Universo e Mondi (Über die Unendlichkeit, das Universum und die Welten). In letzterem erklärt er die Sterne damit, dass sie wie unsere Sonne seien, dass das Universum unendlich sei, es eine unendliche Anzahl von Welten gäbe und diese mit einer unendlichen Anzahl intelligenter Lebewesen bevölkert seien.
1585 geht er wieder nach Paris, die Stimmung dort ist aber nicht so aufgeschlossen wie noch zwei Jahre zuvor. Nach Tumulten, die durch seine 120 Thesen gegen die aristotelische Naturlehre und ihre Vertreter entfacht wurden, und nach einer Schmähschrift gegen den katholischen Mathematiker Fabrizio Mordente muss er Paris verlassen.
Er reist nach Deutschland weiter, und versucht einen Lehrstuhl in Marburg zu erhalten. Das gelingt ihm nicht, aber in Wittenberg erhält er eine Lehrerlaubnis. Von 1586 bis 1588 lehrt er dort Aristoteles. Als die Meinungsverhältnisse in Wittenberg wechseln, geht er für ein halbes Jahr nach Prag, es gelingt ihm zwar, die Gunst von Kaiser Rudolf II. zu erhalten, aber keinen Lehrauftrag. Mit einer Finanzspritze von 300 Talern, die er von Rudolf II. erhält, reist er nach Helmstedt weiter. Dort erhält er eine Professur. Auch hier hält es ihn nicht lange, nach den Calvinisten in
Genf wird er jetzt von den Lutheranern exkommuniziert.
Wo auch stets Bruno wirkt, er versucht, dort Fuß zu fassen und einen
festen Lehrstuhl zu erhalten - erfolglos. Brunos Talent, sich in der Welt der
komplizierten Machtverhältnisse der Renaissance zu behaupten, könnte zwiespältiger nicht interpretiert werden: Auf der einen Seite gelang es ihm stets wieder, mächtige Gönner der weltlichen Seite zu erreichen. Auf dem theologisch-kirchlichen Kampfplatz aber schien er ein Talent dafür gehabt zu haben, sich unbeliebt zu machen. Entweder war er tatsächlich so undiplomatisch arrogant, wie er seinen Zeitgenossen vorgekommen sein mag, oder er hatte schlicht kein Gespür dafür, wer letzten Endes wirklichen Einfluss besaß.
1590 landet er in Frankfurt, legt sich mit den Stadtoberen an, die ihn prompt 1591 ausweisen. Es folgt ein Kurzaufenthalt in Zürich.
Während seiner Frankfurter Zeit beginnt vielleicht so etwas wie Heimweh nach
Bruno zu greifen. Aber in Italien war die Inquisition mächtig, die katholische
Kirche kämpfte mit allen Mitteln gegen die Reformation. Doch eventuell waren der Tod des konservativen Papstes Sixtus V., und eine Vakanz für den Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Padua, die den Ausschlag gaben, dass Bruno nach Italien zurück tendiert. Während eines Aufenthalts zur Buchmesse in Frankfurt erreicht ihn eine Einladung nach Venedig.
Zunächst lehrt er aber tatsächlich kurz in Padua. Aber der Lehrstuhl wird an
Galileo Galilei vergeben. Bruno nimmt die Einladung nach Venedig jetzt an.
Sein Gastgeber Zuane Mocenigno, möchte in die Gedächtniskunst eingeweiht
werden, doch es ist nicht unwahrscheinlich, dass er sich von Bruno Einblick in weit "magischere" Künste erhoffte. Wohl aus Enttäuschung, dass diese Erwartungen nicht erfüllt wurden, kommt es zu dem Streit. Während Bruno noch überlegt, Venedig zu verlassen, wird er von Mocenigno denunziert und am 22. Mai 1592 von der Inquisition verhaftet.
Im venezianischen Kerker widerruft er nach sieben Verhören. Aber die Macht der
Inquisition trifft auf nicht viel Widerstand in Venedig, das sich für Bruno mehr oder minder als nicht zuständig erachtet haben dürfte.
Anfang 1593 wird Giordano Bruno nach Rom gebracht und in der Engelsburg gefangen gesetzt.
In den folgenden sieben Jahren wird der Prozess gegen ihn vorbereitet, diese Zeit verbringt Bruno in dem Gefängnis. Er versucht vergeblich, eine Audienz bei Papst Klemens VIII. zu erreichen, ist bereit, immerhin teilweise zu widerrufen. Das genügt der Inquisition nicht, als sie einen vollständigen Widerruf fordert, gewinnt wieder die Sturheit in Giordano Bruno die Oberhand. Er verweigert den Widerruf.
Am 8. Februar 1600 wird das Urteil verlesen. Giordano Bruno wird wegen Ketzerei aus
der Kirche ausgestoßen und zu dem Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.
Die Verurteilung erfolgte nicht in erster Linie wegen des von ihm vertretenen,
noch über Kopernikus hinausgehenden Weltbildes, sondern weil er in seiner Lehre den personalen Gott der katholischen Kirche in dem Grunde genommen durch eine pantheistische Weltsicht ersetzt hatte. Dass er auf dieser Basis dann konsequenterweise auch die Dreifaltigkeit leugnete, war wohl ebenfalls für den Ausgang des Prozesses relevant.
Bruno reagiert auf das Urteil mit seinem berühmt gewordenen Satz: "Mit mehr Angst verkündet Ihr das Urteil, als ich es entgegen nehme".
Nach schwerer Folter körperlich gebrochen, wird der 52jährige Giordano Bruno
am 17. Februar 1600 auf der Piazza Campo dei Fiori auf dem Scheiterhaufen
hingerichtet.
Seine Bücher landen auf dem Index, wo sie bis zur Abschaffung des Index
1965 in dem Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils auch blieben. Bruno wurde
von der katholischen Kirche - anders als Galilei - bis heute nicht rehabilitiert.
Buch-Tipp: Giordano Bruno Eine Beschreibung zum Buch " Giordano Bruno" finden Sie auf der Seite des Buchhändlers. Um dorthin zu gelangen klicken Sie bitte auf den Link oberhalb von diesem Text. Sie werden automatisch zu diesem Buchtitel weiter geleitet. |